Die Suche nach einem Photo-Business-Rucksack

Frauen lieben Handtaschen, ich liebe Rucksäcke. Diesmal suchte ich nach einem Rucksack, der mich auf Arbeitsreisen begleiten kann, wenn ich mit Laptop, Kamera und jede Menge schwerem Gelump unterwegs bin. Also waren meine Anforderungen wie folgt:

Ich suche einen Rucksack der

  • Meinen 15,4″ Laptop von Lenovo
  • Meine Vollformatkamera
  • 24-70mm f/2,8 Objektiv
  • 70-200mm f/2,8 Objektiv
  • Jede Menge Zubehör (Kabelage, Sonnenblenden, Blitz, Sun Sniper Kameragurt, Festplatten und USB Sticks)

wegstecken kann. Da ich mit dieser Menge an Equipment jedoch bereits ca. 12-15kg und einige 1000€ Material im Sackerl hätte, musste der Rucksack außerdem ein verdammt gutes Tragesystem haben, dass mir auch nach ein paar Stunden nicht das Kreuz verhunzt, von außen nicht ganz so offensichtlich nach „Hallo hier zu klauen lohnt sich“ aussieht und – ganz wichtig – ein seitliches Schnellzugrifffach auf den Kamerabody hat, um mal rasch ein Photo machen zu können, ohne den Rucksack komplett abzusetzen.

Nach langer Sucherei im Internet blieb ich bei einigen Modellen hängen, die ich hier gern vorstellen möchte falls mal jemand das selbe Problem hat.

Xtrem+ ActiveCube XL

Ich packte den Active Cube XL aus und der erste Gedanke der mir in den Kopf kam war: „Wow ist der monströs groß!“ und dann „Ganz schön schwer, ist da etwa schon eine Kamera drin?“
Um es vorweg zu nehmen, ich habe mich verkauft. Dafür kann der Rucksack nichts, deswegen versuche ich so objektiv wie möglich zu bleiben.

Es passt wirklich VIEL Zeug in diesen Kamerarucksack. Klar, nicht so viel wie in einen Rucksack der von unten bis oben nur für Kameraequipment ausgelegt ist, aber das Daypack ist groß, das Kamerafach ist groß, die Zugänge (auch über die Seite) sind ausreichend groß und der Rucksack ist…naja, mir zu groß. Dabei bin ich selbst nicht gerade klein. Ich bin 1,90 und echt kein schlacksiges Kerlchen aber wenn der Active Cube XL an meinem Rücken hängt, dann sieht das beinahe lächerlich aus. Schade ist außerdem, dass kein Beckengurt mitgeliefert wird. Der Rucksack hat zwar eine Aussparung dafür und in allen Produktvideos, die ich mir zuvor ansah, war auch stets ein solcher zu sehen, aber im Lieferumfang ist er nicht enthalten. Man hat nur zwei Gurte, die nicht das Selbe leisten können. Das ist insbesondere schade, da der Rucksack im vollgepackten Zustand natürlich ordentlich an den Schultern zieht.
Jetzt folgte der Packtest: Mein oben genanntes Standardset passte einwandfrei in den Stauraum hinein. Jetzt war der Rucksack zwar erst halb voll, wog aber stolze 12kg und zog kräftig an den Schultern. Ohne Beckengurt möchte ich das nicht 8 Stunden durch die Gegend tragen müssen.

Ein weiterer Punkt der mir missfällt ist die Belüftung. Der Rucksack ist sehr weich gepolstert, aber bereits nach 10 Minuten Tragetest im T-Shirt wurde mir fluffig warm am Rücken. Wer schnell schwitzt sollte zu einem anderen Modell greifen.

Der Active Cube XL ist ein Rucksack für Leute, die auf einer Flugreise viel Photoequipment, Laptop und noch jede Menge Privatzeug im Handgepäck mitnehmen wollen. Mit einem anständigen Beckengurt ließe er sich bestimmt auch bei voller Beladung noch ganz manierlich tragen, aber für mich ist er zu groß, zu schwer, nicht gut genug belüftet und schlichtweg nicht was ich gesucht habe, trotz des relativ niedrigen Preises von 170€.

Vanguard Skyborne 51 SLR

Der Skyborne 51 SLR von Vanguard hat mich beim Auspacken entzückt und durfte mich prompt auf einer London Tour begleiten. Er sah sehr hochwertig aus, war deutlich leichter als der Active Cube XL, gerade noch so groß, dass er auf meinem Rücken nicht wie ein Schildkrötenpanzer wirkte und mit ~200€ nur wenig teurer als der ActiveCubeXL ist. Das Kamerafach und das Daypack waren rasch mit meiner Ausrüstung bestückt, wobei ich den Zugriff auf beide über das Rückenteil äußerst praktisch finde. Selbst im größten Gewühle brauchte ich mir keine Sorge machen, dass jemand etwas aus dem Rucksack entnehmen könnte – ein großes Plus! Etwas ungewohnt ist daraus folgend die Positionierung des Laptopfachs. Dieses findet man für gewöhnlich direkt am Rücken wieder, der Skyborne hat das Fach jedoch auf die Außenseite verlegt. Somit liegt der Laptop zwar etwas exponiert, aber über einen Defekt mache ich mir keine Sorgen, ich habe schließlich nicht umsonst ein Thinkpad, das muss mal einen Stoß abkönnen 😉 . Schade ist eher, dass durch meinen mobilen Boliden im vorderen Bereich (+ ein iPad daneben) der Rucksack ins Ungleichgewicht gerät und im stehenden Zustand nach vorne überkippt. Das führt auch beim Tragen zu einer Gewichtsverlagerung weg vom Körpermittelpunkt und zog folglich etwas an den Schultern. Das ermüdetet auf die Dauer auch kräftige Schultern.  Dagegen konnte auch das echt gute Tragesystem nichts mehr ausrichten. Ohne schweren Laptop hat man einen unglaublich bequemen Rucksack auf den Schultern, der manchem Wanderrucksack noch was beibringen könnte. Schulterblätter, Kreuz und Becken sind mit sehr weichen Polstern abgestützt, die Riemen sind ebenfalls weich, sehr robust und liegen gut an. Selbst wenn man den Rucksack über die Seite schwingt, um die Kamera aus dem seitlichen Zugriffsfach herauszuholen, verheddert man sich nicht in den vielen Gurten. Hat man diese nämlich erstmal eingestellt, kann man die überstehenden Zentimeter stets irgendwie einrollen, zusammenkletten oder wegstecken, so dass sie nicht sinnlos umherbammeln- Klasse! Auch die Belüftung ist ziemlich gut. Ok, bei 30° quer durch eine quirlige Stadt schwitzt man trotzdem reichlich unter den Polstern, diese sind jedoch im Nu wieder trocken.

Der Vanguard könnte für mich der perfekte Rucksack sein, aber leider hat er einen klitzekleinen Makel, ihm fehlen ein paar mehr innen liegende Taschen , Reißverschlüsse, Fächer usw. Nicht falsch verstehen, der Platz ist ausreichend, aber im Daypack des Rucksacks landete bei mir alles wie in einem Sack. Kabel hätte ich gerne in eine größere Seitentasche verstaut, ein paar Einschübe für Filter fehlen ggf. noch, massenweise USB-Sticks wollen nicht lose umher hüpfen und auch mein Brillenetui fühlt sich in der kleinen Netztasche nicht wohl. Hier bin ich einfach von meinem Wenger Swissgear Rucksack verwöhnt der, egal wo man hinguckt, noch und noch und noch ein Fach hat.

Aber um es kurz zu machen: Der Vanguard Skyborne 51 SLR ist der bisher beste Rucksack für die von mir gestellten Anforderungen.

Lowepro Transit Backpack 350 AW

Die Transit Backpack Serie von Lowepro gibt es momentan in Deutschland noch nicht zu kaufen, in London konnte ich ihn in einem Photogeschäft aber schon einmal ausgiebig testen. Der Transit Backpack sieht echt schick aus und würde meine Photoausrüstung auch anstandslos schlucken. Das Daypack im oberen Bereich ist jedoch allenfalls ein Witz und einen großen Laptop sollte man gar nicht erst versuchen irgendwo unterzubringen. Kurzum, der Rucksack ist viel zu klein. Als Photorucksack für eine kleine Tour hingegen eignet er sich super, denn er ist sehr dezent und bewirbt sich auch nicht selbst durch ein großes auffälliges LowePro Logo (Ein unauffälliges graues Logo ist aber aufgestickt). Der Zugriff ist jedoch überhaupt nicht geschützt, so dass im Gedränge jeder Dieb leichten Zugriff auf das gesamte Equipment hätte. Das Tragesystem hat sehr dünne, leichte Riemen und einen dünnen Beckengurt aus Nylon. Diese helfen zwar den Rucksack fest an den Rücken zu pressen was ihn für moderate Bewegungen im städtischen Bereich einsetzbar macht, aber mehrere Stunden mit voller Montur kann man damit vergessen, da der Beckengurt keinerlei Gewicht von den Schultern nimmt.

Andere Rucksäcke

Im Laufe meiner Recherchen (das wollte ich schon immer schon mal schreiben, das klingt so professionell) fand ich auch noch andere Rucksäcke, die meinen Anforderungen oben jedoch aus irgendwelchen Gründen nicht genügten. Diese werde ich in einem gesonderten Beitrag vorstellen.

Kolja Engelmann

Technikfan, Freizeitprogrammierer, selbsternannter Toolking und vermutlich größter Drachenfan Deutschlands blogged hier die Lösungen zu IT-Problemen die ihm über den Weg laufen, kleine Softwaretools, nostalgische Anfälle und missbraucht das Ganze gern auch mal als privates Tagebuch und Fotoalbum.

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