Fitbit Surge – Eine wirklich gute Fitnessuhr

Seit etwa drei Monaten renne ich ohne Pause mit einem neuen Gadget am Körper herum. Es handelt sich um die Fitbit Surge Fitnessuhr. Fitbit? Moment mal, war das nicht genau so ein Ding, dass ich mir vor zwei Jahren voller Enthusiasmus kaufte und dass jetzt sein Dasein in meiner Schreibtischschublade fristet? Eigentlich war ich mit dem Fitbit One damals zufrieden. Es maß zuverlässig meine Schritte und Stockwerke, glich seine Daten mit meinem Handy ab und hatte eine sehr gute Akkulaufzeit von etwas über einer Woche. Doch der One hatte zwei Probleme, die sein Schicksal besiegelten: Die App war (gelinde gesagt) scheisse und auf Grund seines Formfaktors war er grundsätzlich in der Hosentasche einer anderen Hose als die, die ich gerade trug. Man vergaß ihn zu schnell und ein Tracker, den man nicht ständig dabei hat macht absolut keinen Sinn.

Die Fitbit Surge ist die Konsequente Weiterentwicklung des One und das aktuelle Topmodell von Fitbit. Sie misst über ihre Beschleunigungssensoren geleistete Schritte, Stockwerke und Schlafqualität, über den eingebauten GPS Receiver kann sie auf Wunsch Routen aufzeichnen, der über Photodioden realiserte Herzfrequenzmesser protkolliert derweile wie sich meine Pumpe im Tagesverlauf verhält und als besonderes Schmankerl obendrein stellt sie auch noch die Uhrzeit dar 😉 .

Modernes Dashboard mit vielen Auswertungen

Modernes Dashboard mit vielen Auswertungen

Schlichtes Gummigehäuse. Nicht schön aber funktionell

Über Geschmack lässt sich nicht streiten, deswegen sage ich frei heraus, dass die Fitbit Surge keine schöne Uhr ist. Die Armbänder bestehen aus Gummi, der Rest ist Plastik mit Aluminium-Optik. Auch die Oberfläche beschränkt sich auf solide LCD Gameboy-Optik. Wer auf der Suche nach einer schicken Smart Watch ist, der sucht besser woanders.

Einrichtung und App haben riesige Fortschritte gemacht

Eingerichtet und administriert wird die Uhr über ein Smartphone (Android oder iOS), dass sich über Bluetooth mit der Uhr koppelt und auf Wunsch die Verbindung über das Low Energy Profil hält. Wurden die wichtigsten Daten (Alter, Größe, Gewicht, Account) in den Speicher der Uhr übernommen, beginnt diese sofort mit ihrer kontinuierlichen Überwachung. Mit ein paar Fingerwischern über das Touch Display und wenigen Knöpfen startet man auf Wunsch spezielle Aktivitätsprofile wie z.B. verschiedene Lauf- oder Fahrradtrainingsarten – mal mit, mal ohne GPS. Dies dient meistens dazu den Kalorienverbrauch etwas akkurater zu berechnen, da 20 Minuten Lauftraining bei einem 150er Puls einen anderen Kalorienverbrauch zur Folge hat, als 20 Minuten auf dem Rad bei 180BPM.

Bei jeder Synchronisierung werden alle gesammelten Daten auf das Smartphone (und automatisch auf die Fitbit Server) übertragen, wo sie in verschiedenen Wertverlaufsdiagrammen, Durchschnittswerten und Maxima analysiert werden können. Das Design der App und auch der Webseite sind dabei echt gut geworden. Man wählt aus einer Liste die Panele und Auswertungen zusammen, die man selbst gern sehen möchte und ordnet sie dann auf dem Display an. Geht es mir eher um Kalorienverbrauch, Gewichtsreduktion oder wieviel Wasser ich zu mir genommen habe, dann priorisiere ich diese eben höher. Wenn ich hingegen meinen Jogging Trainingsverlauf und meinen Award für 100000 geleistete Schritte an einem Tag prominent sehen möchte, dann kann ich auch dies tun. Hat man einmal vergessen ein Training, Wasser oder Kalorien aufzuzeichnen, kann man auch problemlos alles noch später nachtragen. Bis auf ein paar kleine Problemchen in der Handhabung ist dies wirklich ein gewaltiger Qualitätsanstieg gegenüber dessen, was ich vor ein paar Jahren sah. Alles ist intuitiv und sehr übersichtlich. Besonders die Kalorien lassen sich durch eine große Lebenmitteldatenbank mit guter Einheitsumrechnung erfassen. Bisher habe ich noch alles, was ich mir hinter die Kiemen geschoben habe dort irgendwie gefunden und konnte die Menge in Tassen, Esslöffeln, Unzen, Gramm adäquat angeben. Echt super!

Qualität der aufgezeichneten Daten

Die aufgezeichneten Daten darf man nicht als 100% genau erachten. Für „nur“ ~250€ bekommt man einen recht genauen GPS Tracker (der ab und an mal einige Meter daneben haut), einen meist genauen Schrittzähler (der auch beim Rad-/Autofahren einige Schritte hinzuaddiert) und einen ordentlichen Pulsmesser (der es natürlich nicht mit medizinischen Geräten oder Brustgurten aufnehmen kann). Die Fitbit Surge zeigt vielmehr gute Näherungswerte und Tendenzen. Habe ich den Tag über laut Uhr nur 3000 Schritte geleistet, dann weiß ich auch so, dass ich weniger vor der Glotze hätte hängen sollen, egal ob es nun tatsächlich 2800 oder 3200 Schritte waren. Gleiches gilt natürlich für alle anderen Sensoren. Man muss die gemessenen Werte mit etwas Intuition auswerten. Dennoch, ich bin erstaunt wieviel man mit wenig Übung bereits aus diesen Werten selbst herauslesen kann. Man erkennt eine Trainingsverbesserung, Übertraining anhand des Ruhepulses oder den Ort auf der Karte wo man auf die Wildsau mit Ferkeln traf und sich entschied lieber rasch abzubiegen (Plus gestiegener Geschwindigkeit und höherem Puls 😉 )

Nicht wasserdichtund propretäres Ladekabel

Ein paar nicht zu verschweigende Nachteile hat die Surge jedoch auch. Zunächst wäre da einmal zu nennen, dass sie allenfalls spritzwassergeschützt und nicht wasserdicht ist. Das ist schade, aber so nehme ich sie beim Duschen halt lieber ab, auch wenn ich keinerlei Bedenken habe sie nach dem Training einmal (ganz kurz) mit lauwarmer Seifenlauge abzuspülen, um Schmutz, Salz und Haut aus den Ritzen zu spülen.

Mit den Fitbit Ladekabeln verbindet mich eine Hassliebe. Es sind propriertäre USB Kabel und bei mir lösen sie sich ständig in Luft auf, während ein simples Micro-USB Kabel immer zur Hand wäre. So musste ich bisher für meinen alten Fitbit zwei und für die Uhr bereits ein neues Kabel kaufen. Die sind nicht teuer, nervt aber trotzdem gewaltig. Zum Glück hält die Uhr auch mal ein paar Tage ohne Kabel durch.

Laufzeit, besser als ein Großteil der Konkurrenz

Etwa 8-10 Tage lang kann man das Fitbit Surge nach einem vollständigen Ladezyklus laut Hersteller nutzen. Diese Zeit variiert natürlich je nachdem wie oft man die GPS Funktion nutzt oder wie oft man synchronisiert. Ich selbst komme ohne GPS und täglich 1-2 Synchronisationen auf ~6-8 Tage Laufzeit – Spitze. Mit ca. einer Stunde GPS täglich bin ich jedoch bereits ~3 1/2 Tagen am Ende und muss Strom tanken. Ich finde das ist noch immer ein guter Wert wenn man bedenkt, das andere Uhren gern jeden Abend ins Häuschen möchten. Einen 8-Stunden Tagesmarsch schafft man damit jedoch nicht, denn wenn man kontinuierlich GPS laufen lässt, bleibt nach unter 5 Stunden das Display dunkel.

Ich mag die Surge, trotz Datenschutzbedenken

Seitdem ich Handys besitze, trug ich eigentlich keine Uhr mehr am Handgelenk. Doch die Fitbit Uhr hat dies geändert. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase weiß ich sie echt zu schätzen. Ich werde genötigt (im positiven Sinne) mich mehr zu bewegen, Trainiere häufiger und intensiver und meine Vitalwerte zu checken ist ein geekiger (wenn auch nutzloser) Teil meines Tagesablaufs geworden. Zwar bin ich etwas argwöhnisch, was meine intimsten persönlichen Daten betrifft, die ja allesamt zu Fitbit übertragen werden, doch das Spielkind in mir hat gesiegt und freut sich seitdem jeden Tag über die bunten Ziffern und Linien die mir zeigen wie gut ich in Form zu sein scheine. Ich bin gespannt ob dies nur eine Phase ist, oder ob ich Dank Fitbit Surge tatsächlich wieder zu einem Uhrenträger geworden bin. Ändern könnte dies momentan nur ein Datenschutzskandal, oder ein noch besserer Sensor. Vielleicht die Fitbit Surge II ?

Kolja Engelmann

Technikfan, Freizeitprogrammierer, selbsternannter Toolking und vermutlich größter Drachenfan Deutschlands blogged hier die Lösungen zu IT-Problemen die ihm über den Weg laufen, kleine Softwaretools, nostalgische Anfälle und missbraucht das Ganze gern auch mal als privates Tagebuch und Fotoalbum.

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