Fototour durch das verlassene Stadtbad Steglitz

Am Wochenende nahm ich an einer geführten Fototour in das verlassene Stadtbad Steglitz Teil. Das sollte mein erster Ausflug in einen „Lost Place“ sein und dementsprechend aufgeregt war ich auch den Abend zuvor. Ich hatte praktisch mein gesamtes Equipment in meinen Rucksack gestopft und freute mich wie ein Schnitzel, als mich der Guide von Go4Foto.de zusammen mit 4 anderen Tourteilnehmern begrüßte und wir uns auf den Weg machten.

Das Stadtbad Steglitz ist ein Hallenbad , welches 1908 eröffnet wurde und seinen Besuchern bis zum Jahre 2002 eine Badeanlage mit Sauna und Dampfbad im Jugenstil bot. Seit 1982 steht es unter Denkmalschutz, stark verfallen ist es dennoch. Die einzigen Besucher, die sich heute noch in den maroden Gängen aufhalten sind Kellerasseln, Fotografen und ganz selten auch mal Schauspieler zwecks einer Theatheraufführung.

Drei Stunden Zeit hatten wir für die Besichtigung und Umsetzung unserer Fotoideen, bevor es an die Auswertung gehen sollte – viel zu wenig. Im Nachhinein fallen mir immer mehr Dinge ein, die man in den vielen Kulissen auch mit wenig Fotoequipment hätte umsetzen können – die meisten davon sind düstere und mystische Szenen. Wenig Equipment? Ja, gutes Stichwort. Denn obwohl ich fast alles dabei hatte, was mein Spielzeugschrank zu bieten hatte, nutzte ich am Ende eigentlich nur das Tamron 15-30 f/2,8 Ultraweitwinkel und das Canon 100mm f/2,8 Makrobjektiv (von Kamera und Stativ abgesehen), das hätte mir viel Schlepperei erspart.

Eines nahm ich mir im Voraus besonders fest vor. Ich wollte kein Lost-Place-HDR Foto mit nach Hause nehmen. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Ruinen Synonym für überspitzte HDR Aufnahmen sind. Nachbearbeitung? Ja! Dodge and Burn? Auf jeden Fall. Aber ich wollte diesen typischen Look vermeiden. Die Versuchung ist groß, besonders wenn man diese langen Gänge oder das große Becken sieht. Aber Dank ein wenig Spielerei an den Kameraeinstellungen und ein paar Lightroom Fingerübungen, klappte das letztendlich doch ganz gut.

Lost places zu fotografieren ist leicht und schwierig zugleich. Es ist leicht sich stundenlang in den Räumen und Motiven zu verlieren. Nichts bewegt sich, so dass man alle Zeit der Welt hat sein Ding durchzuziehen. Schwer ist es hingegen aus die schiere Fülle an Motiven auszusieben, sich auf ein paar wenige Szenen zu konzentrieren und dabei nicht die gleichen Fotos zu machen, wie 100 andere Fotografen zuvor. Nach einem kurzen Blick in die Google Bildersuche weiß ich, dass mir das nicht gelungen ist 🙂 Aber mein Interesse ist geweckt und das Stadtbad Steglitz wird nicht die letzte Ruine bleiben, die ich besucht habe.

Kolja Engelmann

Technikfan, Freizeitprogrammierer, selbsternannter Toolking und vermutlich größter Drachenfan Deutschlands blogged hier die Lösungen zu IT-Problemen die ihm über den Weg laufen, kleine Softwaretools, nostalgische Anfälle und missbraucht das Ganze gern auch mal als privates Tagebuch und Fotoalbum.

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